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Eigentlich wollte ich heute an der
RTS in Luzern ja nur etwas zu tollem Sound feiern und die vor ein paar Wochen geschlossene Boa würdig verabschieden. Dummerweise hatte ich den Startpunkt falsch im Kopf - irgendwie verwechselte ich Vogelgärtli und Inseli. Wohl zu meinem Glück, denn so kam ich etwas "zu spät" zur Party.
Die scheinbar nicht ins Konzept der EM-Auslosungsstadt Luzern passte, weshalb ein riesiges Polizeiaufgebot aus der ganzen Zentralschweiz unsere Party zu verhindernn versuchte.
Geschätze 300 Polizisten in voller Demo/Ausschreitungsausrüstung, ein Wasserwerfer, diverse Gitter-Räumungswagen und massenhaft Kastenwägen, um die eingekesselten, "rechtzeitig" zur Party erschienen Besucher abzutransportieren. Hallo, Verhältnismässigkeit???? Das hätte noch nicht mal eine Demo werden sollen, einfach eine Party, die vielleicht zu einigen kurzfristigen Verkehrsbehinderungen geführt hätte, aber - wie die RTS-Erfahrung in Luzern bisher gezeigt hat - sehr wahrscheinlich sehr friedlich über die Bühne gegangen wäre... Nun, so hat man halt die nicht eingekesselten Partypeople auf die Kreuzung vor dem Bahnhof getrieben, wos dann zwangsläufig zu massiven Verkehrsbehinderungen kam.
Bilanz des Abends, aus meiner Sicht und durch
zisch.ch ergänzt: 200 Verhaftete, vielleicht eine halbe Stunde blockierter Verkehr im Zentrum von Luzern, ein lauter aber friedlicher Umzug durch die Altstadt und zumindest bei mir ziemlich viel Frust - das hätte nicht sein müssen... Kulturstadt Luzern - am Arsch!
Ach und Sorry wegen der miesen Qualität der Bilder, aber ich hatte keine richtige Kamera dabei...
Update: Ich habe grad mit einem Kollegen telefoniert, der gestern verhaftet wurde.
Er hat seit langer Zeit massive Rückenprobleme wegen mehreren Bandscheibenvorfällen. Vor einigen Wochen hatte er eine Operation, bei der vorstehende Bandscheiben weggeschnitten wurden, damit sie nicht mehr auf die Nerven drücken oder sowas. Auf jeden Fall hat das gegen seine ziemlich krassen Schmerzen einigermassen geholfen, total belastbar wurde er dadurch aber auch nicht. Nun, als er festgenommen wurde hat er die Beamten darauf aufmerksam gemacht, worauf er Schlagstöcke in den Rücken geprügelt bekam. Dadurch hat er jetzt wieder die Probleme von vor der OP. Und danach halt die ganze Prozedur, die alle Verhafteten durchmachen mussten.
Also in den Kastenwagen, danach zu 20 in eine Einzelzelle, ohne Sitzgelegenheit, mit Handschellen oder Kabelbindern. Keine Möglichkeit, aufs Klo zu gehen, was dazu führt dass früher oder später der Zellenboden voller Urin ist. Bei so vielen Leuten erwärmt sich die Zelle auch ziemlich schnell, alle haben natürlich noch die Winterkleidung an. Zwischendurch Zellenwechseln, nackt ausziehen, irgendwann Verhör und danach (wozu?) nochmal 2 Stunden in die Zelle. Dann, um 07:45, wurde er irgendwo in Kriens, einem Vorort von Luzern, freigelassen. Verhaftet wurde er um ca. 21.00.
Bemerkenswert auch, dass diese Behandlung nicht etwa irgendwelche straffälligen Leute betraf (was es auch nicht besser machen würde), sondern einfach Leute, die sich nichts zu schulden kommen liessen, ausser zur falschen Zeit (gestern, kurz nach 8) am falschen Ort (im Vögeligärtli-Park) zu sein. Denn die Polizei hat kurzerhand einfach alle Leute, die sich im Park befanden, eingekesselt und festgenommen, egal ob sie etwas mit der RTS zu tun hatten oder nicht (so unter anderem auch Journalisten der NLZ, 3fach und 20minuten).
Wirklich traurig, dass sowas in einem Rechtsstaat passieren kann.
Update 2: Die AntiRep Luzern ruft Betroffene auf, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. So kann abgeklärt werden, ob juristisch gegen die Polizei vorgegangen werden kann.
Mehr Informationen und Kontaktdaten gibts auf indymedia. Ich denke, das ist relativ wichtig, dass sich Betroffene da melden.
Update 3: Tele Tell Videobeitrag mit Interview mit einer verhafteten Schwangeren. (Und mir ganz am Schluss (klein) im Bild, hehe...)
Update 4: 20min.ch hat Zeugenberichte der Festgenommenen gesammelt